Ich häkle sonst eher Deko für Regale als für Schlüsselbunde, aber dieser kleine grüne Dino hat sich bei mir festgesetzt, seit ich ihn an einem verregneten Eimsbütteler Sonntag zum ersten Mal fertig hatte. Er ist klein genug für jede Handtasche, robust genug für Jonas' Werkzeuggürtel und genau richtig, um Wollreste aus der Kiste sinnvoll zu verarbeiten. Hier bekommst du die komplette Anleitung, Runde für Runde, so wie ich sie selbst am Küchentisch abgehäkelt habe.
Kopf und Körper: der Start mit dem Maschenring

Jedes Amigurumi beginnt für mich mit dem gleichen Handgriff: dem Maschenring. Er hält am Anfang locker, zieht sich aber beim ersten Zunehmen sauber zusammen, wenn du ihn richtig führst. In Rd 1 häkelst du 6 feste Maschen in den Ring, in Rd 2 verdoppelst du auf 12, indem du in jede Masche einmal zunimmst.
- Nadelstärke: 2,5 mm, damit die Maschen dicht genug für die Füllwatte sind
- Markierer setzen: gleich in die erste Masche der neuen Runde, sonst verlierst du bei Rd 3 die Übersicht
Ein zu lose gehäkelter Kopf zeigt später überall die Füllwatte durch – lieber eine Nadelstärke kleiner nehmen, als hinterher zu ärgern.
Kopf/Körper weiterhäkeln: Runde für Runde runder

Ab hier wächst der Kopf in gleichmäßigen Schüben: Rd 3 bringt dich mit (1 fM, 1 zun) x6 auf 18 Maschen, Rd 4 mit (2 fM, 1 zun) x6 auf 24. Danach häkelst du in Rd 5–8 einfach vier Runden ohne Zunahmen glatt weiter, immer in Spiralrunden.
Genau diese gleichmäßigen Zunahmen sind es, die aus einem Klumpen Garn eine runde Kugel machen – kein Zufall, sondern reine Mathematik. Wer die Zunahmen ungleichmäßig verteilt, bekommt später eine Beule statt einer Kugel, das sieht man dem fertigen Kopf sofort an.
Tipp aus der Praxis: Zähl nach jeder Runde einmal laut durch. Bei 24 Maschen verzählt man sich beim Amigurumi am schnellsten, weil die Runde so lang wirkt.
Augen einsetzen und den Kopf schließen

Die Sicherheitsaugen kommen zwischen Rd 6 und 7, mit 5–6 Maschen Abstand zueinander – das ergibt bei diesem Kopf einen freundlichen, nicht zu erschrockenen Blick. Vor dem endgültigen Schließen leicht mit Füllwatte vorfüllen, damit du die Position noch einmal kontrollieren kannst, bevor die Unterlegscheiben drinstecken.
- Rd 9: (2 fM, 1 abn) x6 = 18 Maschen
- Rd 10: (1 fM, 1 abn) x6 = 12 Maschen
- Bei Bedarf jetzt noch mehr Füllwatte nachschieben, bevor die Öffnung zu klein wird
Sicherheitsaugen heißen nicht umsonst so: einmal fest eingerastet, bekommst du sie nicht mehr zerstörungsfrei raus. Also lieber zweimal messen, einmal einsetzen.
Beine häkeln: zwei identische Stützen

Die Beine sind mit sechs Maschen im Maschenring der kleinste Bauteil, aber der wichtigste für die Standfestigkeit. Rd 1: 6 fM in MR, Rd 2–3: 6 fM rundum ohne Zunahme. Beide Beine müssen wirklich identisch fest gehäkelt sein – sonst kippt der Dino später auf einer Seite weg.
Ich häkle solche kleinen Wiederholteile inzwischen immer im Doppelpack direkt hintereinander, mit der gleichen Handspannung, statt Tage dazwischenzulassen. Die Spannung verändert sich sonst unmerklich, und am fertigen Dino sieht man dann, welches Bein zuerst entstanden ist.
- Faden lang lassen zum Annähen – etwa 15 cm reichen für beide Beine
Arme häkeln: locker bleiben

Bei den Armen drehst du die Logik bewusst um: Rd 1: 5 fM in MR, Rd 2–4: 5 fM rundum – und diesmal nicht fest füllen. Ein weicher, fast leerer Arm wirkt am fertigen Dino niedlicher und lässt sich später sauberer an den Körper nähen, ohne dass er absteht wie ein kleiner Ast.
Warum weniger Füllung hier richtig ist
Feste Arme drücken sich beim Annähen nach außen und der Dino wirkt kantig statt kuschelig. Optional kannst du die letzte Masche jeder Runde mit einer Kettmasche beenden, das gibt einen saubereren Abschluss ohne Versatz – bei so kleinen Teilen macht das durchaus einen sichtbaren Unterschied.
Schwanz, Stacheln und Bauchfleck vorbereiten

Jetzt kommt der Teil, der aus einer grünen Kugel wirklich einen Dino macht. Der Schwanz läuft spitz zu: Rd 1 mit 4 fM in MR, Rd 2 vier Maschen glatt, Rd 3 mit (2 zun, 2 fM) auf 6 Maschen erweitert.
- Stacheln (6x): 4 Luftmaschen, ab der zweiten Luftmasche mit 3 fM an der Nadel zurückhäkeln – kleine, spitze Dreiecke
- Bauchfleck: 6 Luftmaschen, eine Reihe feste Maschen oval umhäkeln, für den cremefarbenen Kontrast am Bauch
Alle diese Kleinteile bleiben bewusst locker geformt und mit langem Faden liegen, bis du sie im nächsten Schritt anbringst – nicht schon vorher vernähen, das macht das spätere Ausrichten nur schwerer.
Alle Teile zusammensetzen

Jetzt wird aus den Einzelteilen ein Tier. Die Beine nähst du an Rd 1–3 des Körpers an, die Arme seitlich zwischen Rd 7 und 9. Der Bauchfleck kommt vorne mittig, die Stacheln laufen vom Kopf bis zum Schwanzrücken in einer Reihe.
Für ein sauberes Finish nähe ich mit der Stopfnadel immer durch die äußeren Maschenglieder statt quer durch die Füllung – so bleibt der Faden fast unsichtbar und die Teile sitzen fest statt wackelig.
Erst grob feststecken, dann von allen Seiten anschauen, bevor der letzte Stich sitzt – ein schief angenähtes Bein fällt sofort auf, wenn der Dino später am Schlüsselbund hängt.
Schlüsselring befestigen und Finish

Zum Schluss den Faden oben am Kopf befestigen, eine stabile Schlaufe bilden und den Schlüsselring einhängen. Alle Endfäden ordentlich vernähen, damit sich nichts löst, sobald der Dino zwischen Schlüsselbund und Handtasche pendelt.
Die fertige Größe liegt bei ca. 7–9 cm – klein genug, um nicht zu klimpern, groß genug, um am Schlüsselbund sofort erkannt zu werden. Vor dem letzten Foto richte ich die Form noch einmal von allen Seiten aus und prüfe jede Naht mit dem Finger, ob irgendwo Füllwatte durchdrückt.
- Letzter Check: Ring fest? Augen fest? Nähte glatt? Erst dann ist er wirklich fertig.
So sah mein Küchentisch aus, während ich den Dino wirklich gehäkelt habe
Die Schrittfotos oben zeigen die Technik, aber wie so ein Nachmittag am Wollknäuel tatsächlich aussieht, ist noch mal was anderes. Ich fotografiere solche Projekte inzwischen bewusst auch während des Häkelns, nicht nur danach – man sieht dann, wo die Finger wirklich sitzen und wo es fummelig wird. Hier also der Dino aus einer anderen Perspektive, ungeschönt vom eigenen Tisch.

In diesem Moment habe ich den Maschenring gerade zum dritten Mal neu angesetzt, weil er beim ersten Zug zu locker blieb. Man sieht es dem Foto nicht an, aber genau da entscheidet sich, ob der Kopf später eine glatte Kugel wird oder eine Beule bekommt.

Hier arbeite ich mit dem rosa Maschenmarkierer, den ich mir vor Jahren aus einer Restekiste eines schließenden Ladens mitgenommen habe – er begleitet inzwischen jedes Amigurumi-Projekt bei mir. Ohne ihn hätte ich an dieser Stelle den Rundenanfang garantiert verloren.

Die Sicherheitsaugen habe ich hier probeweise nur eingesteckt, nicht fixiert – so kann ich den Kopf noch drehen und von vorne schauen, ob der Blick wirklich freundlich wirkt, bevor die Scheiben dahinter einrasten.

An dieser Stelle merkt man im echten Leben am ehesten, wie klein die Häkelnadel für so ein Miniteil eigentlich ist – meine Finger verkrampfen bei den Armen jedes Mal ein bisschen, weil die Maschen kaum Platz zum Greifen lassen.

Zwei fertige Arme liegen hier schon lose auf dem Tisch, während der dritte Wollrest noch am Nadelende hängt. Ich häkle solche Wiederholteile nie einzeln fertig ab, sondern lasse bewusst mehrere Stadien gleichzeitig liegen – das spart am Ende Zeit beim Vergleichen.

Die Stacheln und der Bauchfleck sehen hier noch chaotisch aus, fast wie Blätter, die durcheinanderliegen. Genau in diesem Stadium sieht ein Amigurumi-Projekt immer am wenigsten nach fertigem Dino aus, und genau da geben die meisten Anfänger ungefragt auf.

Hier vernähe ich die letzten Stacheln entlang des Rückens, und man sieht gut, wie viel Fadenmaterial für so ein kleines Tier am Ende tatsächlich zusammenkommt. Die Nähnadel führe ich dabei immer möglichst flach, damit sie nicht versehentlich durch die Füllwatte nach außen rutscht.

Der Ring geht in diesem Moment zum ersten Mal wirklich ein, und ich halte den Dino bewusst am Kopf statt am Körper, damit die frische Schlaufe nicht sofort wieder unter Zug gerät und sich löst.

Fertig ist er dann hier, neben einem Zweig Eukalyptus vom Balkon, den ich schnell noch ins Bild geschoben habe – nicht für die Anleitung wichtig, aber für mich der Beweis, dass so ein kleines Projekt tatsächlich am selben Nachmittag fertig werden kann.
Kurz zusammengefasst
Am Ende sitzt der kleine Kerl bei mir seit Wochen am Rucksack von Jonas, weil er behauptet, er würde seine Schlüssel sonst ständig verlieren – was vermutlich stimmt. Wenn du ihn nachhäkelst, schreib mir gern, welche Farbe deiner geworden ist.

- Material

Häufige Fragen
Welche Garnstärke passt zu Häkelnadel 2,5 mm?
Ich nehme dafür ein dünnes Baumwollgarn, wie es für Amigurumi üblich ist – bei dickerem Garn wird der Dino unförmig groß und die Maschen zu locker für Füllwatte.
Kann ich die Sicherheitsaugen durch Stickaugen ersetzen?
Ja, wenn der Anhänger für ein Kleinkind gedacht ist, sind aufgestickte Augen sogar die sicherere Wahl – dauert nur etwas länger und wirkt weniger plastisch glänzend.
Wie lange dauert der ganze Dino wirklich?
Rechne mit einem gemütlichen Nachmittag – die Einzelteile gehen schnell, das Zusammensetzen und Ausrichten am Ende braucht die meiste Geduld.







Die Fadenenden würde ich im Dinokörper verschwinden lassen.
Vielleicht können sie mir sagen wo ich die Anleitung für den Körper finde? Den zeigt es mir leider nicht an. Ich habe nur den Kopf und dann geht es schon mit den Beinen weiter.
Lg
Ich finde den Dino wirklich niedlich. Wo finde ich die Anleitung für den Körper?
LG