In meiner Wohnung unterm Dach ziehen im Winter kalte Zugluft und noch kältere Dielenböden durch jedes Zimmer, und irgendwann hatte ich genug von eiskalten Füßen am Schreibtisch. Diese Technik hat mich sofort überzeugt, weil man keine doppelt spitzen Nadeln jonglieren muss und keine Ferse in Runden abpassen – man häkelt ein flaches Rechteck, faltet es einmal, näht zwei Nähte, fertig. Mimi liegt dabei meistens quer über meinen Füßen, was das Anprobieren zwischendurch etwas erschwert, aber die Wärme ist gegenseitig.
Das Prinzip verstehen, bevor du loslegst

Bevor die Nadel überhaupt Garn berührt, lohnt ein Blick auf das Material selbst. Ich arbeite mit einer 4 mm Häkelnadel und rund 150 g Sockenwolle, aufgeteilt in vier Farben – hier Terrakotta, Salbeigrün, Petrol und ein warmes Beige, die sich später zu einem ruhigen Streifenmuster fügen. Der Clou dieser Anleitung: Du häkelst kein Rohr in Runden, sondern ein flaches Teil, das am Ende gefaltet und an zwei Kanten vernäht wird.
- Größe: 38–40, durch die Rippenstruktur elastisch genug für kleine Abweichungen
- Fußlänge: anpassbar, dazu später mehr
- Abkürzungen: LM, fM, hStb, KM – kurz notieren, spart beim Häkeln Zeit
Wer Fußlänge und Umfang schon vorab abmisst, erspart sich später das Wiederauftrennen. Das habe ich in der Agenturzeit gelernt, nur eben bei Möbelmaßen statt bei Socken: erst messen, dann arbeiten.
Das Bündchen: elastisch dank hinterem Maschenglied

Der Einstieg entscheidet, ob die Socke später über den Knöchel passt oder einschnürt. Du schlägst 13 Luftmaschen an, häkelst Reihe 1 mit 12 festen Maschen hinein und arbeitest ab Reihe 2 ausschließlich ins hintere Maschenglied. Genau das erzeugt die feine Rippenstruktur, die man von guten Strickbündchen kennt – nur eben gehäkelt.
Warum das hintere Maschenglied
Wenn du nur in die vordere Schlinge häkelst, wird der Stoff steif und dehnt sich kaum. Nur ins hintere Glied gehäkelt, bleiben feine Rillen stehen, die wie kleine Federn arbeiten – das Bündchen zieht sich zusammen und wieder auf.
Ein Bündchen, das nicht dehnt, ist wie ein Sofa, das auf dem Foto gut aussieht, aber niemand darauf sitzen will – hübsch, aber am Ende nutzlos.
Nach 26 Reihen schließt du die kurzen Seiten mit Kettmaschen zu einem Ring – fertig ist ein Streifen von etwa 7 x 18 cm, aus dem gleich der Schaft wächst.
Der Schaft: hier entscheidet sich das Streifenbild

Aus der langen Kante des Bündchens nimmst du 26 halbe Stäbchen auf und häkelst 18 Reihen gerade weiter, jede Reihe beginnt mit einer Wende-Luftmasche. Auf dem Foto siehst du die Streifenfolge, die ich für dieses Paar gewählt habe: 4 Reihen Beige, 2 Reihen Salbei, 2 Reihen Terrakotta, 2 Reihen Petrol, dann von vorn.
- Farbwechsel am Reihenende einhäkeln, damit der Übergang sauber sitzt
- Fäden nicht abschneiden, sondern locker mitführen, wenn sie bald wiederkommen
- Spannung gleichmäßig halten, sonst zieht sich der Schaft schief
Nach 18 Reihen liegt der Schaft bei rund 12 cm Länge. Die Reihenfolge ist kein Gesetz – wenn du lieber breitere oder schmalere Blöcke magst, ändere sie ruhig. Ich habe meine Farbkombination nach demselben Bauchgefühl gewählt, mit dem ich auf Flohmärkten Stoffe zusammenstelle: gedeckte Töne, die sich gegenseitig nicht überschreien.
Die Ferse formen – ohne Fersenwende

Diese Stelle sorgt bei vielen für Respekt, ist aber tatsächlich der unkomplizierteste Teil der ganzen Anleitung. Du setzt Maschenmarkierer an beide Randseiten des flachen Teils. In Reihe 1 bis 4 nimmst du am rechten Rand jede 2. Reihe eine Masche zu, in Reihe 5 bis 8 wechselst du auf den linken Rand – insgesamt kommen so 8 Maschen dazu, bis du bei 30 Maschen ankommst.
Wichtig: Die Zunahme passiert nie in der äußersten Randmasche selbst, sondern in der direkt danebenliegenden. So bleibt die Kante sauber und du kannst später problemlos daran vernähen.
Diese leichte Verbreiterung auf beiden Seiten formt den Fersenbogen, ohne dass du in Runden arbeiten oder Maschen abketten musst – ein Trick, der besonders Anfängerinnen das Leben leichter macht, weil nichts kurzfristig gewendet werden muss.
Fußteil: hier entscheidet sich die passende Länge

Mit den erreichten 30 halben Stäbchen häkelst du nun 12 Reihen gerade weiter – keine Zu- oder Abnahmen, nur gleichmäßiges Vorarbeiten. Die mittleren 10 Maschen markierst du als späteren Sohlenbereich, denn dort verläuft später die Naht.
- Optional: zwei Reihen feste Maschen für eine strapazierfähigere Sohle – überspring das ruhig, wenn du die Socken hauptsächlich in Hausschuhen trägst
- Fußlänge: arbeite bis 18–20 cm, je nach Schuhgröße
- Größer machen: einfach 2–4 Reihen ergänzen, ganz ohne Musterbruch
Am besten legst du deinen eigenen Fuß neben das flache Teil, bevor du weiterhäkelst – ein Fehler, den ich bei meinem ersten Paar gemacht habe, war blind der Anleitung zu vertrauen, ohne selbst zu messen. Am Ende waren die Socken zwei Zentimeter zu kurz für meinen Mitbewohner.
Die Spitze: symmetrisch abnehmen bis zum Schluss

Für eine runde, nicht spitze Zehenpartie markierst du vier Abnahmestellen gleichmäßig verteilt über die Maschen. In den Reihen 1 bis 5 nimmst du an jeder markierten Stelle je zwei Maschen zu einer zusammen ab – macht 4 Maschen weniger pro Reihe.
Der Rhythmus der Abnahme
Nadel in die nächste Masche, Faden holen, durch beide Maschen ziehen, aus zwei mach eins. Wiederholt an allen vier Stellen, schrumpft die Spitze gleichmäßig von rund 40 auf nur noch 8 Maschen.
Sobald 8 Maschen übrig sind, schneidest du den Faden mit ausreichend Länge zum Vernähen ab. Nicht zu kurz lassen – lieber zehn Zentimeter mehr, als am Ende mit einem zu kurzen Fadenstück zu kämpfen. Die Beispielreihen im Bild zeigen schön, wie sich das Streifenmuster dabei verjüngt und trotzdem symmetrisch bleibt.
Falten und zusammennähen: aus flach wird Socke

Jetzt kommt der Moment, der immer wieder kleine Überraschung auslöst: Du legst das fertige, flache Teil in der Mitte längs zusammen, sodass die Seitenkanten aufeinandertreffen. Aus dem Streifenrechteck wird sichtbar eine Sockenform.
- Spitze vorn mit der Stopfnadel fest zusammenziehen und vernähen
- Sohle und Ferse mit festen Maschen und Kettmaschen zusammennähen – arbeite die Naht möglichst flach, sonst drückt sie später im Schuh
- Bündchen nach außen umklappen, damit die Rippenstruktur sichtbar wird
Ich nähe diese Naht am liebsten am alten Kiefernholztisch bei Tageslicht, weil man Unregelmäßigkeiten in der Spannung dann am ehesten sieht und sofort nachbessern kann. Eine kleine, flache Naht macht am Ende den Unterschied zwischen einer Socke, die man gern trägt, und einer, die in der Schublade verschwindet.
Fertigstellen: Fäden vernähen und die zweite Socke häkeln

Zum Schluss verstaust du alle losen Fadenenden sorgfältig auf der Innenseite – ein Punkt, den man gern unterschätzt, der aber über den Tragekomfort entscheidet. Ein schlecht vernähter Faden scheuert nach ein paar Stunden garantiert.
Für ein gleichmäßiges Streifenbild häkelst du die zweite Socke spiegelverkehrt – Ferse und Zunahmen also seitenverkehrt zur ersten. Zum Schluss darfst du beide Socken leicht dämpfen oder feucht in Form ziehen, damit sich die Maschen setzen und das Streifenmuster gerade liegt.
Die fertigen Maße bei diesem Paar: Fuß ca. 23 cm, Schaft ca. 12 cm. Wer eine andere Schuhgröße häkelt, sollte die Fußlänge unbedingt vor dem Zunähen der Spitze noch einmal anprobieren – danach lässt sich kaum noch etwas korrigieren.

- Material
- Werkzeug

Das Wichtigste zum Schluss
Zwei flache Streifenstücke, ein paar Nähte, und plötzlich stehen zwei warme Socken auf dem alten Kiefernholztisch – Mimi hat sofort ihre Meinung dazu, indem sie sich direkt daraufsetzt. Genau diese Unkompliziertheit macht die Technik für mich zu einem Winterritual, das ich jedes Jahr wiederhole.
Was Leser oft fragen
Kann ich die Anleitung auch mit anderer Wolle als Sockenwolle häkeln?
Grundsätzlich ja, aber reine Sockenwolle mit Polyamidanteil ist strapazierfähiger und läuft in der Waschmaschine seltener aus der Form. Reine Wolle sieht hübsch aus, verfilzt aber schneller an der Ferse.
Wie ändere ich die Größe der Socken?
Für breitere Füße nimmst du in Schritt 2 mehr Luftmaschen für das Bündchen an, für längere Füße ergänzt du beim Fußteil einfach 2–4 zusätzliche Reihen, bevor du mit der Spitzenabnahme beginnst.
Die Ferse zieht sich schief, was habe ich falsch gemacht?
Meistens wurde die Zunahme in der äußersten Randmasche statt in der danebenliegenden gearbeitet. Kontrolliere das anhand der Legende im Bild und trenne im Zweifel die letzten Reihen wieder auf.






